Haftung der Bank für „Prognose“ des Vermittlers bei Schrottimmobilien ?

Der BGH hat im Urteil vom 15.10.2013 (XI ZR 51/11) bei der Haftung von Schadensersatzansprüchen im Falle der sog. Lehmann-Zertifikate ausdrücklich eine Haftung auch für eine falsche Prognose des Vermittlers oder der Bank bestätigt, soweit es sich um eine nicht vertretbare Prognose handelte. Diese Überlegung geht natürlich sehr weit, da eine Prognose als subjektive Gegebenheit idR gerade keine Haftung auslöst. Wer jedoch wissen konnte oder wissen mußte, daß seine Prognose nie eingreifen würde, der haftet auf Schadensersatz.
Dieser Gedanke ist für bestimmte Bereiche und Objekte auch für die Schrottimmobilien-Rechtsprechung unseres Erachtens übertragbar. Fast immer heißt es in den Verkaufsgesprächen, die Immobilie könne mit Sicherheit nach 10 Jahren mit Gewinn veräußert werden. Als Aufklärungspflichtverletzung taugt dies nicht, da es sich um eine bloße Anpreisung handelt. Wer jedoch eine solche Prognose zB bei Sanierungsobjekten der Stadt Chemnitz machte, der wußte als „Profi“ sehr wohl, daß eine solche Immobilie nie und nimmer ansatzweise zu selben Preis, geschweige denn mit Gewinn verkauft werden kann, weder kurzfristig noch in 10 Jahren. Selbst ein Sachverständiger bestätigte jüngst in einer unserer mündlichen Verhandlungen beim OLG Frankfurt, daß „man“ sich in Chemnitz zwischenzeitlich lange bewußt sei, einen „geteilten“ Markt zu haben, der quasi eine Spezialität dieser Stadt ausmacht. Für 100.000 Euro an einem Tag als Sanierungsobjekt erworben, schon am nächsten Tag nur noch 30.000 Euro als Gebrauchtimmobilie wert, einen solchen Wertverlust schafft man kaum mit Möbeln.
Wir werden diesen Gedanken des BGH aufgreifen und sind gespannt, wie „leicht“ die idR bankenfreundliche Rechtsprechung bei Schrottimmobilien in den Instanzen dieses Argument vom Tisch fegen möchte.