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Schäfer, Riedl, Viechtl, Segbers, Baetcke

Überteuerte Immobilien finanziert

Spezialabteilung für riskante Kreditnehmer / SZ vom 28. April


Thomas Fromm verkennt den eigentlichen Ansatz der Problematik, die die HypoVereinsbank (HVB) aufarbeiten muss. Es geht um nichts anderes, als um die problematische Finanzierung sogenannter Schrottimmobilien. Die HVB hat bei weitem am meisten dieser überteuerten Kapitalanlagen finanziert. Diese stehen nun in einer Stückzahl von mutmaßlich 140.000 auf dem Prüfstand. Für die HVB war es wegen des Volumens schwerer als für jede andere Bank, dieses Volumen zu reduzieren. Bei einer kleineren Stückzahl von Krediten konnten andere Banken Portfolios ausgliedern oder komplett verkaufen, bei der HVB klappt dies großflächig naturgemäß nur schwer. Während der vergangenen fast zehn Jahre, in denen die Bankenhaftung bei sogenannten Schrottimmobilien umstritten war, hat die HVB immer einen Kurs sogenannter sozialverträglicher Lösungen gewählt, um Kunden, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, außergerichtlich mit Verzicht und Teilverzicht entgegen zu kommen. Dies war und ist ein Weg der „kleinen Schritte“. Bei der HVB und deren Mutter Unicredit scheint man nun etwas ungeduldiger zu werden und plant strategisch um.

Dabei kommt ihr die zuletzt wieder sehr bankenfreundliche Rechtsprechung des 11. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs sehr entgegen. Dieser Senat – der bezeichnender Weise nicht etwa Verbraucherschutzsenat sondern Bankensenat heißt – hat in großen Teilen eine Haftung der Banken ausgeschlossen. Die neue Strategie beinhaltete beispielsweise das Angebot sehr schlechter Konditionen, teilweise lange vor Ablauf der Zinsbindung, aber auch Angebote an Erwerber mit Drittbanken umzufinanzieren, bis hin zu angebotenen Abwicklungen und Übernahmen durch Tochterunternehmen wie PlanetHome. Das Ziel, bis 2010 diese Problemfinanzierungen abzuarbeiten, ist dabei ebenso schwierig wie ehrgeizig.
 

Von Bankanalysten wird aber offensichtlich diese zugrunde liegende Situation verkannt. Es geht primär nicht um bonitätsschwache Kunden, es geht darum, sich eines Kreditrisikos zu entledigen, das durch die Finanzierung überteuerter Immobilien geschaffen wurde. Die Kunden sollen für Darlehen, für die die Bank selbst ursprünglich im Regelfall eine „Wertermittlung“ durchgeführt hat, nun weitergehende Sicherheiten bieten. Dies erscheint mir zynisch. Die Bank räumt durch ihre eigene jetzige Einschätzung der Sicherheitenlage ein, dass die Immobilie offensichtlich gerade nicht werthaltig war und ist, andernfalls würde keine verstärkten Sicherheiten verlangt werden.

Es wäre schön, wenn die HypoVereinsbank ihren Kurs der vergangenen zehn Jahre beibehielte und weiter sozialverträgliche Lösungen bei wirtschaftlichen Schieflagen suchte und, wo erforderlich, auch Verzichte oder Teilverzichte ausspräche. Die HVB hat hier nämlich in der Branche den Ruf, sich der Problematik der Schrottimmobilien wesentlich professioneller und auch letztlich kundenfreundlicher zu stellen, als dies bei anderen Großbanken der Fall ist. Natürlich haben diese den Vorteil, mit der Problematik weniger befasst zu sein.
 

Gut zwei Dutzend Anwaltskanzleien in Deutschland, die sich überwiegend auf im wesentlichen wirtschaftliche Abwicklungen solcher Darlehen auf Erwerberseite spezialisiert haben, werden bei entsprechend gutem Willen der HVB sicherlich auch weiterhin für eine für alle Beteiligten sinnvolle Abwicklung sorgen können.

Zumindest optisch hat die HypoVereinsbank vor kurzem dazu beigetragen, ihr positives Image für weiterhin sozialverträgliche Lösungen beibehalten zu können. Das kantige liberal-konservative bayerische Logo wurde entfernt, es wurde ersetzt durch ein kunstvoll rot verschnörkeltes Logo, das zwangsläufig zu sozialen Assoziationen führt.


Ralph Schäfer, Esslingen

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